Es gibt Orte, die sich erst öffnen, wenn man ihnen Zeit schenkt. Der Kreuzberg in Marktheidenfeld ist so ein Ort – ein Hügel voller Geschichten, Spuren alter Frömmigkeit, überraschender Pflanzenvielfalt und dieser besonderen stillen Atmosphäre, die man nur an gewachsenen Kulturlandschaften spürt.
Auf dieser etwa zweistündigen Führung erkunden wir ein Stück Marktheidenfelder Identität: den Hausberg, der zugleich „heiliger Berg“ ist, und dessen Geschichte sich schon Anfang des 19. Jahrhunderts zu formen begann.
Damals befestigten gläubige Bürger einfache Bilder des Kreuzwegs an den Bäumen, bevor zwischen 1825 und 1830 die heute noch erhaltenen Stationshäuschen entstanden – inspiriert vom Kreuzweg zum Käppele in Würzburg. Insgesamt wurden 15 Stationen errichtet, darunter eine außergewöhnliche: die Darstellung der vier Erdteile, die gemeinsam das Kreuz verehren. In den Jahren 1839/40 wurde der Weg mit Kastanien und Linden bepflanzt – ein Teil dieser Bäume begleitet uns bis heute auf dem Anstieg.
Am oberen Ende des Weges begegnen wir der Kreuzbergkapelle, deren Geschichte alles andere als geradlinig ist. Bereits 1840 gab es erste Baupläne, doch erst 1889 – 1890 entstand die Kapelle tatsächlich, mit einem Altar und Figuren aus der Werkstatt von Franz-Wilhelm Driesler. Später kamen weitere Stücke hinzu, darunter ein Barockaltar mit den Frankenheiligen Burkard und Kilian, sowie Petrus und Paulus. Die Kreuzigungsgruppe, die schon vor der Kapelle existierte, steht heute rechts neben dem Gebäude – eine stille Erinnerung an den ursprünglichen Abschluss des Weges.
Doch der Kreuzberg ist weit mehr als ein geschichtsträchtiger Ort.
Er ist auch ein botanisch wertvoller Lebensraum: ein Mosaik aus Trockenrasen, wärmeliebenden Gebüschen und offenen Muschelkalkhängen. Diese Landschaft ist selten geworden – und genau das macht den Kreuzberg so besonders.
Während wir den Weg gehen, begegnen wir Pflanzen, die typisch für lichte, kalkreiche Standorte sind:
• zarte Frühjahrsblüher, die als erste das Licht auf den offenen Hängen nutzen
• wärmeliebende Arten, die die Hitze des Sommers problemlos ertragen
• seltene Trockenrasenpflanzen, die nur dort wachsen, wo der Boden mager, flachgründig und voller Sonne steckt
• und im Frühjahr die weißblühenden Felsenkirschen, die ganze Hangpartien in sanftes Licht tauchen
Gemeinsam nehmen wir uns Zeit, all diese Ebenen wahrzunehmen: die historischen Spuren, die Kunstwerke, die Natur, den Wandel über zwei Jahrhunderte – und die kleinen Dinge, die man nur entdeckt, wenn man langsamer geht.
Diese Führung ist für Menschen gedacht, die schon oft hier waren und dennoch das Gefühl haben, dass ihnen etwas entgangen ist. Und für alle, die den Kreuzberg einmal so erleben möchten, wie man ihn sieht, wenn man mit offenen Sinnen unterwegs ist.
Bitte auf festes Schuhwerk achten, ggf. eine Sitzunterlage, genug zu trinken und einen kleinen Snack mitbringen.
Geeignet für: Jugendliche, Erwachsene, Senioren
Streckendetails: 2,2 km, ca. 100 hm (Strecke ist etwas herausfordernd, da es bergauf geht)
Keine Anmeldung erforderlich, Preis 5 €