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Nicht von Pappe, doch von Pappe

Die Papiermühle Homburg

Wie eine Pagode krönt das dreifach gestaffelte Walmdach den Fachwerkbau: Im Museum Papiermühle Homburg blieb alles erhalten, also auch der Trockenboden. Dort wurden bis 1975 Aktendeckel, Pappen und Packpapiere für Kunden in aller Welt mit der Hand auf Leinen aufgehängt. Gebaut wurde die Anlage 1807, und einige Maschinen aus der Gründerzeit waren bis zuletzt in Gebrauch. Daher verfolgen die heutigen Besucher auf ihrem Rundgang durch die vier Ebenen nicht nur den Werdegang des Papiers von den Kleiderlumpen bis zum Versand, sondern auch den technischen Fortschritt in dieser Zunft. Jedenfalls soweit ein Familienbetrieb bei dieser Entwicklung mithalten konnte. 

Historische Schneidemaschine für Papier

Zwei Beispiele: Das größte Exponat – außerdem gepflegt erhaltenen Gesamtensemble – ein von Wasser betriebenes Mühlrad mit 8 Meter Durchmesser. Direkt daneben steht eine mehrere Generationen alte steinerne Mühle, ein sogenannter Kollergang, der das Rohmaterial in einem allerersten Verarbeitungsschritt zerkleinerte. Knapp, klar und deutlich erläutern Texttafeln die Ausstellungsstücke und geben dabei einen weiteren Rückblick auf die vorindustrielle Papiermacherei, aber auch auf das Wandergesellentum und auf das Phänomen Wasserzeichen.

Handgeschöpftes Papier

Zwei weitere vergleichbare Anlagen haben sich in Deutschland erhalten, weiß die Stiftung Denkmalschutz, die zum Erhalt der Papiermühle Homburg beitrug. Die ist heute in Bayern die einzige ihrer Art; gemeinsam mit vier anderen europäischen Papiermühlen möchte sie Unesco-Kulturdenkmal werden. Sie zeigt die Hintergründe von Alltagsgegenständen, die echt von Pappe sind. Und mehr: Im Obergeschoss betritt das Publikum die Wohnung der Betreiber, wie sie zur Zeit der Geschäftsaufgabe eingerichtet war. Das ist persönlich schon berührend. Fünf Generationen lang betrieb die Familie Follmer die ländliche kleine Fabrik. Johannes Follmer, Sohn des letzten Papiermüllers, hält die Tradition in eigener Weise aufrecht. Er schöpft in einer modernen Werkstatt Bütten mit der Hand, wie in den Jahrhunderten vor den ersten Maschinen. Der Strom im Haus kommt übrigens vom selben Mühlrad, das früher die Maschinendirekt antrieb.

Mühlrad

Vom Parkplatz an der Remlinger Straße führt ein idyllischer Fußweg in wenigen Minuten zur Mühle am Bischbach, die mit dem Museum vom Landkreis Main-Spessartgetragen wird. Jeden ersten Sonntag im Monat gibt es um 14.30 Uhr Führungen ohne Voranmeldung, für Gruppen nach Vereinbarung auch außerhalb der Öffnungszeiten. Donnerstag und Freitag ab 14 Uhr zeigt Johannes Follmer im angrenzenden Atelier das Handwerk des Papierschöpfens. 2026 nimmt das Museum gleich zwei neue museumspädagogische Angebote für Erwachsene und Kinder, in Form von besonderen Audioguides, in Betrieb.

Kontakt: Museum Karlstadt, Hauptstraße 9, 97753 Karlstadt, www.karlstadt.de