Der Gast sieht dem Museum Karlstadt schon von außen an: Das ist ein besonderes Gebäude, selbst in dem großen mittelalterlichen Baubestand der geruhsamen Altstadt am Main. Tatsächlich blieb sehr viel Substanz aus der Zeitenwende vor 500 Jahren erhalten – von der Fachwerkkonstruktion über Zimmerdecken bis hin zu den Ausmalungen. Drinnen gibt es dann große Kontraste zum Staunen für Kenner und Laien. Denn einfache, klar moderne Treppenhäuser verbinden die akribisch aufbereiteten Originalteile miteinander. Das größte Ausstellungsstück ist der Museumsbau selbst.
Vorfahren mit Kunst kennenlernen
Gelungene Symbiose: Das Museum Karlstadt arbeitet mit Kontrasten
Ein starkes Nebeneinander charakterisiert auch das Ausstellungsprogramm. Die stadtgeschichtlichen Exponate der einen Museumshälfte haben nämlich als sinnstiftenden Nachbarn im selben Haus die Kunstsammlung „ZeitBRÜCHE“. Das Haus, dessen ältester Teil seit dem 14. Jahrhundert steht, beherbergt Gemälde und Skulpturen, die jeder Großstadtgalerie Ehre machen würden. Die Werke sind thematisch gebündelt und behandeln Aspekte von Übergängen, menschlicher Entwicklung, Katastrophen und Trost. Das sind die existenziellen Erfahrungen, die die Karlstadter auch in ihrer bewegten Stadtgeschichtemachten. So begegnen sie den heutigen Museumsbesuchern mit Hilfe der Kunst. Rund 200 Werke stiftete der emeritierte Domkapitular Dr. Jürgen Lenssen, der auch das Würzburger Museum am Domeinrichtete – moderne, vorwiegend gegenständliche Kunst.
Die Abteilung „StadtGESCHICHTE“ wächst noch. Sie setzt einen frühen Schwerpunkt bei der Ansiedlung der Karolinger – schließlich geht der Ortsname Karlstadt auf diese fränkische Dynastie zurück. So wie die Menge archäologischer Funde beeindruckt, so auch die zeitgemäße museumspädagogische Aufbereitung dieser Epoche – und regionaler Besonderheiten wie Weinbau.
Ein Schatzkästchen für sich ist – mitten in der modernen Kunst – die „ZeitKAPSEL“. Das sind vier fast unveränderte Mittelalterstuben, in denen wir den ehemaligen Bewohnern nachspüren können. Da wird Geschichte lebendig. Und auch so: Mit einer kostenlosen Museumsapp lassen sich vier Audioführungen erleben; alternativbekommt man Guidegeräte an der Kasse geliehen, ebenfalls gratis. Übrigens: Eine dieser Führungen erläutert die außerordentliche Sanierung des heutigen Museumsgebäudes.
Kontakt: Museum Karlstadt, Hauptstraße 9, 97753 Karlstadt, www.karlstadt.de


